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Geschlossener Gesamteindruck
Dvorak, Antonin: Sinfonien Nr.8 & 9
Label: Channel Classics
Interpretation: 4
Klangqualität: 5
Repertoirewert: 3
Booklet: 3
Anlässlich der Neuveröffentlichung von Antonín Dvoøáks Sinfonie Nr.7 d-Moll op.70 und seiner Suite A-Dur op.98b mit dem Budapest Festival Orchestra unter Leitung von Iván Fischer hat Channel Classics auch eine erstmals 2001 bei Decca veröffentlichte Einspielung von Dvoøáks Sinfonien Nr.8 G-Dur op.88 (1889) und Nr.9 e-Moll op.95 (1893) neu aufgelegt. Damit wird, klanglich bereichert durch die im SACD-Format aufpolierte Qualität, die Möglichkeit geschaffen, Fischers Lesart der drei letzten Dvoøák’schen Sinfonien in ihrer Gesamtheit nachzuvollziehen. Die im Jahr 2000 entstandenen Aufnahmen weisen dieselben Tendenzen auf wie die neue Einspielung und überzeugen durch den geschlossenen Eindruck der Werkdarstellung, der sich – ausgehend von einer akribischen Lektüre der Partituren – auch hier einem sorgfältigen Umgang mit den Möglichkeiten des Orchesters verdankt.
Dies dürfte die Ursache dafür sein, dass die berühmte Sinfonie ‚Aus der Neuen Welt‘ besonders rund wirkt: Fischer verzichtet im Gegensatz zu vielen anderen Dirigenten auf übermäßige Tempoänderungen innerhalb der Sätze und bremst den musikalischen Fluss nur dort aus, wo dies tatsächlich vom Komponisten gefordert ist. Sehr deutlich ist dies im Kopfsatz zu bemerken, dessen ruhigere Passagen (etwa das zweite Thema) nicht durch Tempozurücknahmen verschleppt werden; Fischer ist vielmehr darauf bedacht, das Grundtempo des Satzes beizubehalten und nur gelegentlich leicht zu modifizieren. Dieser Zugang zahlt sich auch in Bezug auf den choralartigen Beginn des langsamen Satzes aus, an den die bekannte Englischhorn-Melodie anschließt. Gerade hier beweist der Dirigent besondere Sensibilität, indem er jede Sentimentalität vermeidet, aber dennoch die emotionale Unruhe der Musik im Satzverlauf dort herausarbeitet, wo dies vom Komponisten gefordert ist. Besonders gut ist auch das Finale gelungen, in dem Fischer trotz des wuchtigen Blechbläserthemas beim Zusammensetzen der einzelnen Partikel aus den vorangegangenen Sätzen vorsichtig, fast zärtlich verfährt, bis dann die große Schlusssteigerung einsetzt.
Ein Problem der Aufnahme ist jedoch das Bedürfnis des Dirigenten, das melodische Hauptgeschehen in den Mittelpunkt zu stellen und dabei die Nebenstimmen gelegentlich so weit zurückzunehmen, dass sie nicht mehr genau hörbar sind. Dadurch verliert die Musik vor allem in der G-Dur-Sinfonie an einigen Stellen ihre instrumentale Vielschichtigkeit. Gerade im Finale erscheinen die Tutti-Passagen oft als globales Klangergebnis, während der – durchaus heterogene – Aufbau aus verschiedenen Schichten verwischt wird. Auch das Tempo ist hier ein wenig zu ruhig angestimmt, was insofern seltsam ist, als Fischer sich sonst sehr genau an Dvoøáks Vorgaben hält. Dieser Versuch, die gedankliche Verbindung vom Violoncello-Variationsthema zur Violoncello-Kantilene des Kopfsatzes stärker herauszuarbeiten, führt dazu, dass der Satz nicht richtig an Fahrt gewinnt. Ihm steht jedoch wiederum ein detailreicher, bei der Herausarbeitung von Stimmungs- und Farbwechseln überzeugender Zugang zu den übrigen Sätzen gegenüber.
Stefan Drees, Klassik.com
23 June 2010

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