10 Sep. 2010   Béla Bartók National Concert Hall
11 Sep. 2010   Béla Bartók National Concert Hall
12 Sep. 2010   Béla Bartók National Concert Hall

Dvorak, Antonin: Sinfonie Nr.7 d- Moll op.70

Label: Channel Classics

Interpretation: 4
Klangqualität: 5
Repertoirewert: 5
Booklet: 3

Auf den Dirigenten Iván Fischer ist Verlass. Gemeinsam mit dem Budapest Festival Orchestra hat er bei seinem Stammlabel Channel Classics eine Einspielung von Antonín Dvoráks Sinfonie Nr.7 d-Moll op.70 (1885) auf SACD vorgelegt und überzeugt dabei wieder einmal durch den höchst musikantischen, aber dennoch auf genauer Lektüre der Details beharrenden Ansatz, mit dem er sich den Notentext der Partitur aneignet. Vergleicht man die Aufnahme mit seiner im vergangenen Jahr veröffentlichten Interpretation der Sinfonie Nr.1 c-Moll op.68 von Johannes Brahms, lässt sich eine gewisse Nähe der Lesarten beider Werke nicht ganz von der Hand weisen. Es scheint nicht übertrieben, wenn man Fischer ein besonderes Interesse an der geistige Nähe beider Zeitgenossen unterstellt – ein Umstand, der im Falle von Dvorák zu einer bemerkenswerten Dichte der Wiedergabe führt.

Der Kopfsatz, der aus dem Nichts über einem Orgelpunkt anhebt und am Ende, in einzelne Instrumentalfarben sich auflösend, wieder darin verschwindet, ist ein Musterbeispiel für gelungene Spannungsaufbauten: Wie Fischer hier arbeitet, indem er Auftakte hinauszögert oder melodische Akzente jeweils ganz individuell formt, erweist sich als Lehrstück in Bezug auf die mögliche Vielfalt von Zugängen zur Artikulation, die in anderen Aufnahmen allzu gleichförmig dargestellt wird. Im 'Poco adagio' bringt der Dirigent die Farbwerte der Instrumente zur Geltung, indem er herbere Klänge und dramatische Einsprengsel gegen leuchtende Bläsersoli setzt. Dynamisch ist dies bis ins Feinste ausgearbeitet, während das nachfolgende Scherzo besonders den Klangreichtum im Umgang mit den Streicherstimmen zur Geltung bringt. Besonders einprägsam ist Fischers Darstellung des Finalsatzes, vermag der Dirigent doch der Durchführung durch einen vorsichtig tastenden Zugang überraschende Nuancen zu verleihen und beim allmählichen Vorbereiten des erst ganz zum Schluss eintretenden Wechsels nach D-Dur immer wieder von Neuem die Spannung aufzubauen.

Ein diskografischer Zugewinn ist die Koppelung der d-Moll-Sinfonie mit Dvoráks fünfsätziger Suite A-Dur op.98b, einer 1895 vom Komponisten angefertigten Orchesterbearbeitung der Suite für Klavier op.98 (1894). Fischers Umsetzung wird dem Einsatz der Orchesterfarben besonders gut gerecht und unterstreicht auch all jene Momente, in denen – wie im Mittelteil des eröffnenden 'Andante con moto' oder am Schluss des zweiten Satzes – die Schlaginstrumente deutlich zum Zuge kommen. Besonders auffällig ist jedoch, mit wieviel Aufmerksamkeit für agogische Spielräume und dynamische Schattierungen jeweils die Melodielinien geformt werden. Warum Fischer allerdings die beiden kurzen Binnenwiederholungen im abschließenden 'Allegro' weglässt, ist musikalisch nicht ganz einsichtig, da er dadurch den kontrastierenden Abschnitt dieses kurzen Satzes noch stärker verkürzt. Angesichts einer ansonsten rundum gelungenen Einspielung ist dies jedoch nur eine kleine Auffälligkeit.

Stefan Drees, Klassik.com
22 June 2010

 

They conjured up these mniatures {Hungarian Sketches} with tension constantly building then diminishing, typical Bartók shifts in stress and soft, bewitching background. In the Budapest Festival Orchestra {...} every musician is aware of every other. Although Fischer is the orchestra`s initiator and driving force, he repeatedly leaves the musicians enough freedom to express themselves.
Hamburg, Die Welt, March 3rd , 2001, Helmut Peters
 

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